Kritik

  1. Das neues Stadtarchiv wäre, von der Innenstadt kommend (Luxemburger Straße), am geplanten Standort kaum wahrnehmbar

Der Baukörper wäre tief in den Eifelwall eingerückt und dicht an die Wohnbebauung gesetzt.

  1. Rücksichtslosigkeit bei der Platzierung des Baukörpers

  • Nach dem aktuellen Planungsstand beträgt die Traufhöhe des fensterlosen „Schreins“ 20 m plus 2 m technische Aufbauten; er vermittelt das Bild eines Hochbunkers.

  • Das geplante Bauwerk verkörpert einen solitären Architekturtypus, der räumliche Herausstellung beansprucht. Diese ist dicht am Eifelwall nicht möglich.

  • Der Neubau würde sich mit seiner Wuchtigkeit in keiner Weise in die umgebende heterogene und kleinteilige Wohnbebauung einfügen. Diese würde durch Größe und vorgesehene Gestaltung des Bauwerks optisch “erschlagen”.
  1. Keine stringente Führung der Grünfläche

  • Es gäbe keine klare Fortführung des Grüngürtels zum Volksgarten hin, sondern nur einen engen Durchgang am Eifelwall vor der Bahnunterführung.
  1. Die visuelle Verbindung von der Uni-Wiese zum Volksgarten würde durch den Neubau versperrt

  • Wer die neue Grünfläche hinter dem Stadtarchiv von der Luxemburger Straße her beträte, würde keinen Durchgang zum Volksgarten vermuten, denn er würde nur auf Parkhaus und Parkplatz der Justiz und den Bahndamm schauen. Ein Stadtarchiv unmittelbar am Eifelwall würde den Blick auf die Verbindung zum Volksgarten versperren.
  1. Grünfläche wird zum Angstraum

  • Die neue Grünfläche wäre schwer einsehbar und kaum zugänglich. Sie wäre daher weitgehend der sozialen Kontrolle entzogen. Vandalismus und andere negative Begleiterscheinungen wären die Folge.

  1. Negative Auswirkungen auf das Stadtklima

  • Die Platzierung des neuen in allen Dimensionen ausladenden Stadtarchivs am Eifelwall würde die von Südosten hereinströmende, in diesem Bereich durch die Bahndämme ohnehin beeinträchtigte Ventilation der Innenstadt gänzlich blockieren.

  • Eifelwall, Luxemburger Wall und die Luxemburger Straße bis zum Kreuzungsbereich  sind bereits jetzt nach den Ergebnissen des Projektes  “Klimawandelgerechte Metropole Köln” stark belastet: “Das schon vorhandene stadtklimatische Phänomen der ‘urbanen Wärmeinsel’ in Köln wird sich im Zuge des Klimawandels voraussichtlich deutlich verstärken.”

  1. Höhere Lärmimmission

  • Die Lärmimmissionen liegen am Eifelwall durch Eisenbahn- und Straßenverkehr mit teilweise über 70 Dezibel (A) heute schon deutlich über den Grenzwerten der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV).
  • Die vorgesehene Verengung des öffentlichen Straßenraums von 27m auf 18m und auch der Baukörper würden diese Lärmimmissionen verstärken.

  1. Zunahme von Staub- und Abgasimmissionen

Die Konzentrationen der Abgase und Stäube nähmen deutlich zu, da der dicht an die Wohnbebauung platzierte Baukörper des Neubaus ihre großräumige Verteilung beeinträchtigen würde.

  1. Verschattungsproblematik

    • Die Platzierung des neuen Stadtarchivs am Eifelwall würde zu einer fast vollständigen Verschattung der Wohnbauten außerhalb der Sommermonate führen.
    • Damit verbunden wäre ein steigender Energieverbrauch.

     

  2. “Bauliche Fassung” des Grüngürtels am Eifelwall

    • Die Stadt begründet ihre Standortwahl allein mit der beabsichtigten “baulichen Fassung” des Grüngürtels bzw. mit der Schaffung einer “klaren Kante” oder “stringenten Führung” am Eifelwall. Diese Begrifflichkeiten sind selbst in Fachkreisen umstritten; eine erlebbare Qualität ist ihnen abzusprechen.
    • Die Stadt beruft sich auf den Masterplan des Architektenbüros AS&P. Sie verkennt jedoch das Wesen eines Masterplans. Dabei handelt es sich um eine Handlungsempfehlung, die vor ihrer Realisierung in jedem Fall vor Ort zu hinterfragen und an Entwicklungen anzupassen ist. Eine planungsrechtliche Bedeutung hat ein Masterplan nicht.

     

  3. Wertungswidersprüche in der städtischen Planung

    Die vorgesehene Platzierung des Stadtarchivs am Eifelwall widerspricht nahezu allen Planungszielen des Masterplans des Architektenbüros AS&P, den die Stadt als Handlungsempfehlung angenommen hat:

        • Gestaltung und Öffnung der verfügbaren Freiflächen
        • Formung eines möglichst klaren und räumlich durchgängigen Grundgerüsts
        • Entwicklung barrierefreier Durchlässigkeit
        • Berücksichtigung der Ansprüche der Stadtbewohner hinsichtlich der Nutzung des Inneren Grügürtels
        • Vermeidung von Angsträumen und die Schaffung offener und durchlässiger Räume
        • Optimierung des Wegenetzes und der Zugänglichkeit des Grüngürtels von den inneren und äußeren Stadtteilen
        • Aktion “Köln aktiv gegen Lärm”.

    Die häufig ins Feld geführte “bauliche Fassung” des Inneren Grüngürtels entlang dem Eifelwall vermag, soweit ihr überhaupt mehr als geschmackliche Bedeutung beizumessen ist, diese von der städtischen Planung verletzten Wertungsmaßstäbe nicht aufzuwiegen. Sie hat in Wirklichkeit nur eine rein plangraphische Bedeutung, da sie im realen Raum nicht wahrnehmbar ist. Dennoch dient sie immer wieder als Alibi bei der Verletzung obiger Planungsziele.